Ereignisse des Jahres 1893
Am 8. November wird eine Kaiserjagd mit Kaiser Wilhelm II. im Herrenberger Stadtwald abgehalten. Im Sommer feiert der Liederkranz sein 50jähriges Bestehen.

06.01.1893 Christbaumfeier im Gasthaus "Zum Ochsen" unter großer Beteiligung des Vereins.
26.02.1893 Generalversammlung im Gasthof "Zur Sonne".
04.05.1893 Der Liederkranz beteiligt sich bei der Abholung des neugewählten Stadtschultheißen Hauser mit Fackelzug vom Bahnhof zum "Ochsen". Auf dem Perron wird "Seid uns in unserem Kreis willkommen" gesungen. Verschiedene Reden werden gehalten und der Liederkranz singt einige Lieder.
25.06.1893 Fahrt nach Nagold zum dortigen Jubiläums- und Fahnenweihfest mit dem Wagen. Am Wettsingen konnte nicht teilgenommen werden, da sich die Sänger auf dem Platz verteilten und zum Singtermin nicht anwesend waren.
06.07.1893 Der Verein singt bei der Hochzeit seines Sängers Wilhelm Ackermann.
23.07.1893 50jähriges Jubiläum und Fahnenweihe.
Aus dem Protokollbuch des Liederkranzes:
Sonntag, den 23. Juli 1893 wurde das längst projektierte und mit vieler Mühe vorbereitete 50 jährige Jubiläumsfest verbunden mit Fahnenweihe auf dem Schloßberg bei herrlichstem Wetter abgehalten; der Zug, welcher sich bei der Turnhalle aufstellte, marschierte unter den Klängen der wohlbehallten Ludwigsburger Ulanenmusik, welche das Fest Morgens um 6 Uhr durch Tagwache eingeleitet hatte, durch die Straßen der Stadt auf den Festplatz, wo sich ein reges Treiben entfaltete.
Nachdem die Vereine alle auf dem Festplatz angekommen waren, wurde Seitens des Vereins der Begrüßungschor "Seid uns in unserem Kreis willkommen" gesungen, sodann von Herrn Stadtschultheiß Hauser die Vereine und Festtheilnehmer im Namen der Stadt und des Liederkranzes willkommen geheißen und die wohlgelungene Festrede mit Rückblick auf die Entstehung der Sangesvereine in frühren Zeiten bis in die Neuzeit vorgetragen und mit einem "Hoch" auf den deutschen Männergesang und seinen Hehren Beschützer Sn. Majestät unseren in Ehrfurcht geliebten König Wilhelm II. geschlossen; hierauf folgte die Enthüllung der neu hergerichteten Fahne durch ein sinniges Gedicht, vorgetragen von Frl. Lina Lachenmaier. Nach der Enthüllung sang der Verein "Unserer Fahne gilt dieses Lied", worauf rauschender Beifall erfolgte; sodann ergrüff noch Herr Musikoberlehrer Hegele von Nagold das Wort, um dem Liederkranz im Namen des Schwäbischen Sängerbundes die Glückwünsche darzubringen, er ermahnte die Sänger, ihre Fahne hoch und heilig zu halten, namentlich das auf derselben angebrachte Symbol jederzeit eingedenk zu sein und schloß mit einem "Hoch" auf den Liederkranz Herrenberg, das donnerten Wiederhall fand.
Hieran reihen sich Gesangsvorträge des hiesigen und auswärtigen einzelner Vereine, und konnte man dabei ganz gelungene Vorträge hören. Die Zwischenpausen wurden durch Musikvorträge ausgefüllt, bis sich gegen Abend die auswärtigen Vereine nach und nach in die Stadt zurückzogen, wohin auch um 7 Uhr der hiesige Liederkranz und Turnverein die Festdamen geleitete, um bis 8 Uhr in der Turnhalle sich nochmals zu sammeln zu einem äußerst gelungenen Bankett, wobei sich der geräumige Turnhallensaal fast zu klein erwies; bei der Polonaise waren 50 Paare angetreten.
Der Ball, der von einem hier anwesenden Tanzlehrer Bernhardy arrangiert und geleitet wurde fand große Betheiligung, auch Seitens von Nichtmitgliedern um Eintrittsgeld und fiel zur allgemeinen Befriedigung aus; er fand seinen Abschluß um 2-3 Uhr, womit die Festlichkeiten in allerbester Harmonie ihr Ende erreichte.
Die Stadt, der Festplatz, die Turnhalle waren Dank der fleißigen Hände der Sänger des Vereins, die die Reisig und Tännchen im Walde hieben und holten, sowie der Festdamen und Haushaltungsschülerinnen, die die verschiedenen Guirlanden und Kranze anfertigten, des Alb. Lachenmaier der die verschiedensten humoristischen Innschriften anfertigte, sowie allen dran sich betheiligten festlich geschmückt und gereicht dem Verein und der Stadt zur hohen Ehre. Wie sich die Kasse dabei stellte, davon später.

z.B. Kienzle

Welche Vereine alle zu Besuch kamen, wurde vom Schriftführer leider nicht vermerkt, es haben sich aber insgesamt 19 Vereine angemeldet. Gefeiert wurde tagsüber auf dem Schlossberg, wo bis 1950 eine dreiteilige Holzhalle stand. Diese hatte ringsum eine ca. 1m hohe Brüstung, ansonsten war sie nach allen Seiten offen.

Der Sänger Ferdinand Berner hat zum 50jährigen Bestehen des Vereins ein Gedicht verfasst, dessen Text hier nachzulesen ist: Zum Gedicht hier klicken

01.12.1893 Der Verein bringt dem Stadtschultheißen anlässlich dessen jüngster Vermählung ein solennes Ständchen.

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